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25 Jahre Hafenstraße - eine Einladung

Ab Ende 1981 ziehen wir - unterschiedlichste Leute verschiedensten Alters - in die von der SAGA zwecks Abriss teilweise entmieteten Häuser. Wir versuchen miteinander zu leben, hören uns gegenseitig zu und mischen uns punktuell immer wieder gemeinsam ein in die Auseinandersetzungen der Welt. Wir erschaffen eine eigene Welt mit anderen Regeln als der ‚draußen’. Wir führen unsere Auseinandersetzungen untereinander gewöhnlich direkt und auch mal gewaltsam. Wir öffnen uns Türen und schaffen Gemeinschaftsräume für alle möglichen, nach Bedarf wechselnden Zwecke.

1983 trotzen wir dem SPD-Senat in einer Zeit des Verlustes der absoluten Mehrheit Verträge ab, die er 2 Jahre später bricht um die sich langsam herausbildenden anderen Lebensformen an diesem illustren Ort zu zerschlagen. In einer beispiellosen Dialektik von Repression und Widerstand von 1985 bis Ende 1987 setzen wir – getragen von vielfältiger Solidarität – durch, hier zusammen zu leben, ohne jedoch die Bedingungen dafür selbst gestalten zu können. Im Moment des Sieges formiert sich die Reaktion neu. Den folgenden Kleinkrieg können wir erst mit der Gründung zweier Genossenschaften und dem Kauf der Häuser in den 90igern für uns entscheiden.

Heute sind die Häuser weitgehend repariert, die Dächer ausgebaut. Unserer Genossenschaft Alternativen am Elbufer gehören die dazwischen liegenden Grundstücke, von denen eines gerade von einer befreundeten Gruppe (Plan B) bebaut wird. Das wilde Grün neben der Treppe soll so bleiben. In der Nachbarschaft ist ein weiterer Neubau (Parkhaus/ Genossenschaft St. Pauli Hafenstraße) mit gemeinschaftlichem Leben entstanden.

Wieweit auch unter ‚uns’ - denen, die geblieben sind, denen ‚draußen’ und den ‚Neuen’ – die Individualisierung mittlerweile das Bestimmende ist oder was noch ‚geht’ an Gemeinschaft und inwieweit die Frage, wie wir weiter leben wollen, noch zusammen ausgestritten wird, ist ein offener Prozess. Vielleicht nimmt das ‚Gemeinsame’ heute auch nur einfach ganz andere Formen an als gewohnt?

25 Jahre Hafenstraße machen Lust zum treffen, erzählen, erinnern und streiten. Hier kannst du alte Freundinnen und Freunde wiedersehen und neue kennen lernen oder mal hören und sehen, wie andere erlebt haben, wie alles anfing.